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Martorell, 10. Juni 2016 - 1400 Tage, mehr als 1000 Skizzen, 5000 kg Modelliermasse und 1000 Liter Lack. Das sind nur einige der Zahlen, die den Entstehungsprozess eines neuen Autos kennzeichnen. Dabei handelt es sich um einen vier Jahre dauernden Prozess, der mit den ersten Ideen beginnt, die ein Design-Künstler mit dem Bleistift zu Papier bringt und der mit dem fertigen Fahrzeug auf dem Montageband endet. Bis es so weit ist, wurden 1:1-Tonmodelle hergestellt, neue Farbtöne und Texturen entwickelt und die Innenausstattung des neuen Fahrzeugs definiert.


1.    Vorgaben. Als Erstes wird das Anforderungsprofil des neuen Modells entwickelt und freigegeben. Dieses ist die Richtschnur, die sozusagen die DNS des Fahrzeugs definiert, sie ist deshalb massgeblich für den gesamten Prozess.

2.    Skizzen. Die Designer können jetzt mit den ersten Skizzen des neuen Fahrzeugs beginnen. Die ersten Versionen zeigen, "wie wir gerne hätten, dass es aussieht", sagt Jaume Sala, Leiter des Interior Design bei SEAT, und das Ergebnis ist ein Bild des neuen Autos in seiner "Idealform". Im Laufe der vier Jahre entstehen so über 1000 Skizzen.

3.    Computergestütztes Design. Nachdem die Skizzen erstellt wurden, werden sie digital umgesetzt, um das zukünftige Fahrzeug dreidimensional betrachten zu können. Dieses Dokument dient nicht nur dem Design des neuen Fahrzeugs, sondern auch der Abklärung technischer Fragen.

4.    Tonmodell. Dieses 1:1-Modell wiegt vier Tonnen, doppelt so viel wie ein normales Auto. Mit ihm wird die äussere Form plastisch nachgebildet und jede Änderung wird an ihm nachvollzogen. Bei diesem Prozess kommt die ganze Fertigkeit eines Meisters zum Tragen, der das Modell von Hand glättet und formt.

5.    Design Freeze – das "eingefrorene Modell". Dieses Modell zeigt das endgültige Aussendesign, das vom Unternehmen freigegeben wird. Es sieht verblüffend echt aus, obwohl es immer noch ein Tonmodell ist. Im Verlauf des gesamten Prozesses bis zur endgültigen Festlegung, der sogenannten „Einfrierung“, können bis zu 5000 Kilo Ton verbraucht werden.


6.    Entwicklung der Farben. Die Abteilung "Color & Trim" hat die Aufgabe, die Farben für das Interieur und die Karosserie des neuen Modells zu entwickeln. Ihre Arbeit beginnt schon zwei Jahre zuvor mit dem Sammeln von Ideen, die sich aus den neuesten Trends in den Bereichen "Mode, Architektur und Produktdesign" ableiten, erklärt Jordi Font, der diese Abteilung bei SEAT leitet. Auch wenn dabei 100 Rezepturen zusammengestellt und 1000 Liter Lack verbraucht werden, bleiben am Ende nur 12 Farbtöne übrig, aus denen die Farbpalette für das Exterieur bestehen wird.

7.    Sitze: Bei der Entwicklung von Fahrzeugsitzen stehen "Komfort und attraktive Optik" im Zentrum aller Überlegungen, versichert Jaume Sala. Die Color-&-Trim-Abteilung ist auch an dieser Phase des Prozesses involviert; mit einer Nähmaschine erstellt sie Muster, auf denen "die geeignetsten Gewebe und Farbtöne zusammengestellt werden", erklärt Jordi Font.

8.    Innendesign. "Alles ist auf den Fahrer ausgerichtet", betont Sala und erklärt, dass zum Beispiel beim Touchscreen als Erstes überlegt wird, wo genau er platziert werden muss, alles andere ist dann sekundär. Beim Innendesign spielt die Funktionalität eine ganz besondere Rolle. "Wir fragen uns, wo man das Mobiltelefon, eine Brille oder eine Wasserflasche am bequemsten verstauen könnte." Deshalb, so fasst er zusammen, muss das Design vor allem "praktisch und effizient" sein.

Am Ende all dieser parallel verlaufenden Prozesse steht das brandneue Modell. Nach vier Jahren intensiver Arbeit arbeitet das Designteam aber weiter unter Hochdruck, denn das nächste Projekt ist bereits in der Pipeline.